# Rollstuhl im Fahrzeug sichern: was ein Rückhaltesystem leisten muss

> Quelle: https://mobil-in-berlin.de/rollstuhl-sichern/
> Aktualisiert: 2026-09-13T16:36:19+00:00

Wer im eigenen Rollstuhl mitfährt, sitzt auf etwas, das nicht als Autositz gebaut wurde. Damit das trotzdem sicher ist, braucht es zwei Dinge, die oft verwechselt werden: eine Sicherung des Rollstuhls und eine Sicherung der Person. Dieser Beitrag erklärt, was die Normen verlangen, worin sich die Systeme unterscheiden, was im eigenen Auto gilt und was wir vor jeder Abfahrt prüfen.

## Der sicherste Platz ist der Autositz

Das klingt überraschend, ist aber die klare Empfehlung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege: Der sicherste Platz im Fahrzeug ist der reguläre Fahrzeugsitz. Ein Rollstuhl sollte nur dann als Sitz genutzt werden, wenn die Person nicht auf einen Fahrzeugsitz umsetzen kann. Wer umsetzen kann, ist mit dem normalen Dreipunktgurt am besten geschützt, der Rollstuhl fährt dann gesichert als Ladung mit.

Für viele Menschen, gerade im Elektrorollstuhl, ist Umsetzen aber keine Option. Dann muss der Rollstuhl zum Fahrzeugsitz werden, und dafür gelten klare Voraussetzungen.

## Nicht jeder Rollstuhl darf als Sitz im Fahrzeug dienen

Ein Rollstuhl, in dem während der Fahrt jemand sitzt, muss bei einem Unfall hohe Kräfte aufnehmen. Seit 2009 werden Rollstühle deshalb auf Crashsicherheit geprüft, geregelt in den europäischen Normen EN 12183 für muskelkraftbetriebene Rollstühle und EN 12184 für Elektrorollstühle. Ob Ihr Rollstuhl geprüft und für die Beförderung von Personen im Kraftfahrzeug freigegeben ist, steht auf dem Typenschild. Wie er zu sichern ist, beschreiben die Herstellerunterlagen.

Ein Hinweis für alle, bei denen ein neuer Rollstuhl ansteht: Soll er auch als Sitz im Fahrzeug dienen, gehört das schon in die ärztliche Verordnung, zusammen mit der Begründung, warum ein Umsetzen nicht möglich ist. Dann prüft der Kostenträger, ob ein dafür zugelassener Rollstuhl infrage kommt.

## Zwei Systeme, die zusammenarbeiten müssen

Fachleute unterscheiden das Rollstuhlrückhaltesystem, das den Rollstuhl im Fahrzeug hält, und das Insassenrückhaltesystem, das die Person hält. Beide müssen aufeinander abgestimmt sein. Wird nur der Rollstuhl verzurrt, bleibt er bei einer Vollbremsung stehen, der Mensch darin aber nicht. Wird nur die Person angegurtet, bewegt sich der ungesicherte Stuhl mitsamt Insassen. Keines ersetzt das andere.

Für Fahrzeuge gibt es dazu eine klare Regel: Seit 2016 müssen neu zugelassene Fahrzeuge, die für den Transport von Rollstühlen vorgesehen sind, nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung spezielle Rückhaltesysteme für Rollstuhl und Insassen haben. Diese müssen der DIN 75078 Teil 2 oder der internationalen Norm ISO 10542-1 entsprechen.

## Kraftknoten oder Vier-Punkt-Gurte

### Das Kraftknotensystem nach DIN 75078 Teil 2

Beim Kraftknoten sind am Rollstuhl feste Befestigungspunkte verbaut, heute als Ösen, in die die vier Gurte des Fahrzeugs eingehakt werden. Der Beckengurt ist hier Bestandteil des Rollstuhls und an den hinteren Kraftknoten befestigt. Der Schulterschräggurt kommt vom Fahrzeug und wird am Beckengurt eingeklickt, zusammen ergibt das einen Dreipunktgurt mit vorgegebener, günstiger Geometrie. Die BGW empfiehlt dieses System. Rollstühle, die für die Beförderung freigegeben sind, lassen sich oft mit Kraftknoten nachrüsten.

### Die konventionelle Sicherung nach ISO 7176-19

Hier werden vier Gurte an den dafür gekennzeichneten Stellen des Rollstuhls befestigt, erkennbar an einem Karabinerhaken-Symbol. Die Person trägt einen separaten, vom Rollstuhl unabhängigen Beckengurt und dazu den Schulterschräggurt des Fahrzeugs. Das funktioniert, ist in der Praxis aber anfälliger: Bei Rollstühlen mit Anbauten oder Sitzschalen ist eine saubere Gurtführung schwer, und ein zu hoch sitzender Beckengurt wird schnell zum Bauchgurt.

Vorsicht bei Ösen am Rollstuhl ohne Karabinerhaken-Kennzeichnung: Das sind oft nur Verzurrpunkte für den leeren Rollstuhl als Ladung, nicht für einen besetzten. Und von Rückhaltesystemen mit offenen Haken rät die BGW ab, weil sie sich schon beim ersten Aufprall lösen können.

## Warum ein Beckengurt allein gefährlich ist

Fachleute warnen vor zwei Effekten. Beim Klappmessereffekt wird der Oberkörper bei einem Frontalaufprall nach vorn geschleudert, wenn nur ein Beckengurt angelegt ist. Beim Submarining-Effekt rutscht der Körper unter einem schlecht sitzenden Beckengurt hindurch. Deshalb gehört immer der Schulterschräggurt dazu, und deshalb muss der Beckengurt direkt auf dem Becken liegen.

## Wie die Sicherung bei uns abläuft

Der Rollstuhl steht in Fahrtrichtung und wird mit vier Gurten am Fahrzeugboden gesichert, je nach Modell an den Kraftknoten oder an den gekennzeichneten Punkten, nie an Rädern, Fußstützen, Armlehnen oder abnehmbaren Teilen. Hinten wirken die höchsten Kräfte, dort gehören Schwerlastretraktoren hin, erkennbar am Gewichtssymbol. Dann folgt die Personensicherung: Beckengurt tief über das Becken, nicht über den Bauch, der Schultergurt mittig über die Schulter.

Das dauert ein paar Minuten. Diese Minuten sind eingeplant, sie fehlen nicht am Ende der Fahrt. Gelöst wird die Sicherung erst unmittelbar vor dem Aussteigen.

## Elektrorollstühle brauchen mehr Aufmerksamkeit

Ein Elektrorollstuhl ist ein Vielfaches schwerer als ein Faltrollstuhl. Einige Hersteller verlangen deshalb ein Sechs-Punkt-System mit vier Gurten hinten und zwei vorn. Vor der Fahrt wird außerdem der Schlüssel abgezogen oder die Elektronik ausgeschaltet, damit sich der Stuhl nicht versehentlich bewegt.

Deshalb fragen wir bei der Anfrage, mit welchem Hilfsmittel Sie fahren. Es geht nicht um Bürokratie, sondern darum, dass das passende Fahrzeug kommt und genug Zeit eingeplant ist.

## Ist eine Kopfstütze Pflicht?

Nein. In Deutschland gibt es derzeit keine straßenverkehrsrechtliche Vorschrift für Kopfstützen bei der Rollstuhlbeförderung, und auch die DIN 75078 beschreibt sie bisher nicht. Wichtig ist aber ein Unterschied: Kopfstützen, die auf den Rollstuhl aufgesteckt oder geschraubt werden, sind kein Rückhaltesystem und nehmen bei einem Heckaufprall kaum Kräfte auf. Dafür gebaut sind fahrzeugseitige Kopf-Rücken-Stützen, von denen einige in Tests gute Ergebnisse gezeigt haben. International wird an einer Norm dafür gearbeitet.

## Rollstuhlfahrer im eigenen Auto mitnehmen

Aus alldem ergibt sich für private Fahrten eine ziemlich klare Reihenfolge:

- **Wer umsetzen kann, setzt um** und schnallt sich mit dem normalen Gurt an. Der Rollstuhl wird zusammengeklappt oder als Ladung gesichert mitgenommen.
- **Im Rollstuhl sitzen bleiben** geht nur in einem umgebauten Fahrzeug mit Rückhaltesystem nach DIN 75078 Teil 2 oder ISO 10542-1 und nur in einem Rollstuhl, der dafür freigegeben ist.
- **Improvisierte Lösungen** mit Spanngurten oder dem Sitzgurt um den Rollstuhl herum ersetzen kein geprüftes Rückhaltesystem.

Wer über einen Fahrzeugumbau nachdenkt, findet bei REHADAT unabhängige Informationen zur Kfz-Anpassung. Wenn ein Umbau nicht infrage kommt oder nur einzelne Fahrten anstehen, übernehmen wir das mit geeigneten Fahrzeugen, wie das abläuft, steht auf [Rollstuhltransport](/leistungen/rollstuhltransport/).

## Was Sie selbst prüfen können

- Sitzt der Beckengurt tief am Becken und nicht über dem Bauch?
- Liegt der Schultergurt mittig über der Schulter?
- Sind die Gurte straff, ohne einzuschneiden?
- Greifen die Zurrgurte an Kraftknoten oder gekennzeichneten Punkten und nicht an Rädern oder Fußstützen?
- Ist die Rollstuhlbremse angezogen, beim Elektrorollstuhl die Elektronik aus?
- Sind lose Gegenstände verstaut, Sauerstoffflasche oder Tasche gesichert?

Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, sagen Sie es. Unsere Fahrerinnen und Fahrer nehmen den Hinweis ernst, statt sich übergangen zu fühlen.

## Was Einrichtungen dazu wissen sollten

Werkstätten, Schulen und Pflegeeinrichtungen fragen zu Recht danach, wie ein Fahrdienst sichert und welche Systeme im Einsatz sind. Wir legen das offen, mitsamt Angaben zu Fahrzeugen, Qualifikation der Fahrerinnen und Fahrer und Versicherungsdeckung. Das steht auf unserer Seite [Für Einrichtungen](/fuer-einrichtungen/).

Wenn Sie eine Fahrt planen: [Fahrt anfragen](/fahrt-anfragen/) oder [0172 7575015](tel:+491727575015).

## Weiterlesen bei anderen Stellen

Diese Stellen arbeiten unabhängig von uns. Bei Zweifeln gilt deren Auskunft, nicht unsere Zusammenfassung.

- [BGW: Sichere Beförderung von Menschen mit Behinderungen](https://www.bgw-online.de/resource/blob/18246/2414637d8586b0fcf57347d320a32e35/bgw05-11-003-sichere-befoerderung-von-menschen-mit-behinderungen-data.pdf), die ausführliche Fachbroschüre mit Normen und Praxis
- [REHADAT Kfz-Anpassung](https://www.rehadat-kfz-anpassung.de/), unabhängige Informationen zu Fahrzeugumbau und Rückhaltesystemen
- [reha-recht.de](https://www.reha-recht.de/), Fachbeiträge zu Hilfsmitteln und Teilhabe

*Stand: September 2026, geprüft an der BGW-Broschüre „Sichere Beförderung von Menschen mit Behinderungen" (Stand 02/2024). Für Ihren Rollstuhl verbindlich sind die Angaben des Herstellers.*
