Wer in Berlin mit dem Rollstuhl unterwegs ist, kennt beides: eine Stadt, die vieles möglich macht, und einen Alltag voller kleiner Hürden, die von außen kaum sichtbar sind. Dieser Leitfaden sammelt, was im Alltag hilft, wo es Beratung gibt und was bei Fahrten zu beachten ist.
Der Ausweis und was daran hängt
Der Schwerbehindertenausweis ist der Schlüssel zu fast allen Nachteilsausgleichen. Beantragt und ausgestellt wird er in Berlin vom Versorgungsamt, das beim Landesamt für Gesundheit und Soziales angesiedelt ist.
Entscheidend sind neben dem Grad der Behinderung die Merkzeichen. Für Rollstuhlnutzende ist vor allem aG relevant, die außergewöhnliche Gehbehinderung. Sie öffnet den blauen Parkausweis, Steuererleichterungen und, praktisch am wichtigsten, eine Sonderstellung bei Krankenfahrten. Was die Merkzeichen im Einzelnen bedeuten, steht in unserem Beitrag Merkzeichen aG, Bl und H.
Ein Hinweis, der oft untergeht: Verschlechtert sich der Gesundheitszustand, lohnt ein Änderungsantrag. Viele Menschen tragen jahrelang einen Ausweis, der ihre Situation nicht mehr abbildet.
Hilfsmittel und wer sie bezahlt
Rollstühle, Sitzschalen, Elektroantriebe und Zusatzgeräte sind Hilfsmittel im Sinne der Krankenversicherung. Verordnet werden sie ärztlich, geliefert vom Sanitätshaus, bezahlt von der Krankenkasse, sofern sie im Hilfsmittelverzeichnis stehen und als notwendig anerkannt sind.
Bei Ablehnungen lohnt der Widerspruch fast immer. Unterstützung gibt es kostenfrei oder gegen kleinen Beitrag bei den Sozialverbänden, etwa beim VdK Berlin-Brandenburg oder beim SoVD. Fachliche Hintergründe zu Streitfragen sammelt das Portal reha-recht.de.
Unterwegs in der Stadt
Busse sind in Berlin durchgehend niederflurig mit Rampe und Stellplatz. U- und S-Bahnhöfe sind überwiegend stufenlos erreichbar, aber ein vorhandener Aufzug ist nicht automatisch ein funktionierender. Vor längeren Wegen lohnt der Blick in die Störungsmeldungen der BVG.
Ob ein Ziel zugänglich ist, lässt sich vorab prüfen. Für Berlin führt Mobidat eine umfangreiche Datenbank barrierefreier Orte, international sammelt Wheelmap Bewertungen zur Rollstuhlzugänglichkeit. Beide leben von Einträgen, sind also nicht lückenlos, aber oft hilfreicher als ein Anruf.
Was in Berlin tatsächlich funktioniert und woran es im Alltag scheitert, haben wir hier zusammengetragen: Barrierefrei durch Berlin.
Fahrten: welcher Weg wann passt
Für Freizeitfahrten innerhalb Berlins ist der Sonderfahrdienst des Landes die günstigste Lösung, die Berechtigung beantragen Sie beim LAGeSo. Für Behandlungsfahrten ist die Krankenkasse zuständig, Grundlage ist die Krankentransport-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Für Werkstattfahrten greift die Eingliederungshilfe.
Die Übersicht über alle Träger steht auf Wer zahlt den Fahrdienst?
Was beim Fahren im eigenen Rollstuhl zählt
Sie bleiben sitzen, der Stuhl fährt über Rampe oder Hebebühne ins Fahrzeug und wird dort am Boden verzurrt. Zusätzlich sichert ein separater Gurt die Person, denn ein gesicherter Stuhl allein schützt niemanden. Ausführlich erklärt im Beitrag Rollstuhl im Fahrzeug sichern.
Elektrorollstuhl: Sagen Sie das bei der Anfrage dazu. Ein E-Rollstuhl wiegt ein Vielfaches eines Faltrollstuhls, braucht andere Verzurrpunkte und eine tragfähigere Rampe. Nicht jedes Fahrzeug ist dafür geeignet.
Stufen zu Hause: Nennen Sie die Zahl der Stufen und ob ein Geländer da ist. Danach richtet sich, wie viel Zeit wir einplanen und welche Ausstattung wir mitbringen.
Wo es Beratung gibt
- Berliner Behindertenverband, Selbstvertretung mit Beratung vor Ort
- Familienratgeber der Aktion Mensch, mit Adressdatenbank
- Pflegestützpunkte Berlin, kostenlose Beratung in jedem Bezirk
- einfach-teilhaben.de, Portal des Bundesarbeitsministeriums
Wir sind Fahrdienst, keine Beratungsstelle. Aber wenn Sie nicht wissen, wo Sie mit einer Frage hin sollen, sagen wir Ihnen gern, wer zuständig ist: 0172 7575015.
Wie eine Fahrt bei uns konkret abläuft, steht auf Behindertenfahrdienst Berlin.
Stand: August 2026. Alle verlinkten Stellen sind unabhängig von uns. Verbindlich sind deren Auskünfte, nicht unsere Zusammenfassung.
